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Schleswig, eine Reise in die Vergangenheit...
Warum denn in die Ferne blicken - die Sehenswürdigkeiten sind so nahe.
Nur 46 km von Kiel entfernt liegt das seit dem 9. / 10 Jahrhundert, bis in die Gegenwart reichende bedeutendste Kunst- und kulturelle Zentrum Nordeuropas.
S l i e s t h o r p, das heutige Schleswig, wurde bereits 804 in den fränkischen Reichsannalen erstmals schriftlich erwähnt und ist somit die älteste Stadt Nordeuropas.
Ihre Wurzeln hat die Stadt in der unweit entfernten Wikingersiedlung Haithabu, die sich im 9./ 10. Jahrhundert zu einem bedeutendsten Handels-, Hafen- und Handwerksknotenpunkt Nordeuropas entwickelte.Bereits im Jahre 948 verfügte der deutsche König Otto der Große den Bischofsitz nach Schleswig.
Herzöge und Bischöfe machten die Stadt in ganz Europa bekannt. Schloss Gottorf war wegen seiner Kunstkammer und der großen Bibliothek ein Anziehungspunkt. Enge Verbindungen, teils durch Heirat mit Fürsten- und Königshäusern Dänemarks, Schwedens und Russlands (Zar Peter der Dritte stammt aus dem Hause Gottorf), teils durch Kriege mit bekannten wechselvollem Ausgang, prägte die Residenz der Herzöge von Holstein-Gottorf.
1544 verschenkte der dänische König das Gottorfsche Fürstenhaus an seinem Bruder und wurde nach zehntelangem Streitigkeiten 1721 der dänischen Krone einverleibt. Erst ab 1848 begann der Wechsel zur schleswig-holsteinischen Regierung.Das heutige Schloss Gottorf ist Sitz der Stiftung „Schleswig-Holsteinische Landesmuseen”.
Die Kunst- und Kulturgeschichte in historischen Räumen birgt eine Fülle von Exponaten der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Waffen und Gerät, Silber- und Goldschmiedearbeiten, Bilder und Kunsthandwerk, Gobelins, Delfter und nordeuropäische Fayencen, die aufwendig bemalten Teetische, die in Grün und Manganviolett gehaltenen Dekor, der noch nicht fertig gestellte, von Herzog Friedrich III. (1650) erstellte „Gottorfer Globus”, und... das im Dezember 2000 erworbene Rendsburger Fragment der Gutenberg-Bibel, und..., und..., und...Der zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert erbaute St.-Petri-Dom (links) und ihrem (Bordesholmer) Brüggemann Altar (rechts).
Ein mittelalterliches Baudenkmal der romanischen und gotischen Bauperiode. Sein größter Schatz ist der dreiflügeliger Schnitzaltar von 1521. Das Meisterwerk der Schnitzkunst ist zwölf Meter hoch und zeigt 392 Figuren, von der Vertreibung aus dem Paradies bis zum Leidensweg Christie. Auch Meister Brüggemann ist mit Bart und schiefem Hut in einer Figur deutlich zu erkennen.Das (von ehemals vier) heute noch aktive St. Johannis-Kloster. Ein früheres Benediktinerinnenkloster und heute noch praktizierendes adliges Damenstift.
Einen Einblick besonderer Art des früheren Klosterlebens, des „Kloster der zehn adligen Damen” und deren (auferlegten) Enthaltsamkeiten erhielten wir von der (natürlich adligen) Priorin in einer sehr humorvollen und feinfühligen Weise. Besondere Aufmerksamkeit und Betonung bedurft der auf einem silbernen Tablett liegende Kopf des „Johannes der Täufer”, der jede Entscheidung dem Kloster betreffend, zu Rate gezogen wird.
Das Kloster ist ein Kleinod und ein Ort des unbedingten kennenlernens.
GrauklosterDer Plessenhof, ein 1798 erbautes klassizistisches Gebäude, die 1517 errichtete Hofapotheke, das Rathaus mit den Graukloster, ein ehemaliges Franziskanerkloster.
Früher als Armenstift genutzt, ist ein aus dem 13. Jh. erhaltener Kreuzgang und zahlreiche Wandmalereien zu bewundern. Sehenswert ist der über zwei Geschosse reichende Ständesaal mit perspektivisch ausgemaltem Spiegelgewölbe.Und die Besonderheit: die Fischersiedlung Holm.
Funde aus dem 11. / 12. Jh. belegen, daß auf dem Holm (Insel) eine Siedlung existierte.
Die heutigen, malerischen Fischerhäuser mit ihren Klöndören, dem Kopfsteinpflaster und den Rosenstöcken an den Häusern, machen den Charme dieser Siedlung aus.
Der Friedhof gehört der Holmer Beliebung, einer 1650 gegründeten Totengilde, die sich verpflichtete, „beieinander in Leben und Sterben zu stehen”. Diese Ehrung ist heute noch Tradition.All dies war für die bildungshungrigen Pensionäre der Kameradschaften ERH Holtenau, Kronshagen und Wik, am 26. Mai 2004 eine Tagesreise der besonderen Art.
Der o.a. Abriss ist nur ein kurzer Einblick von der Fülle des Erlebten.
Sowohl durch die Priorin des St. Johannis Klosters, als auch durch Hptm a.D. Hübner, die umfangreiches und fundiertes Wissen über die Geschichte Schleswig-Holsteins vermittelten, wird uns dieser Tag in Erinnerung bleiben.
Abschließend bleibt noch zu erwähnen, daß wir den Organisatoren dieser Reise, für den Aufenthalt im Dom-Café und den Ablauf des Tages ein herzliches Dankeschön sagen möchten.
Die Wiker ERH,
M. Werchner
Fotos: Kellner
